Hat Knup einen Vogel?

Diese Frage m├╝ssen wir uns stellen, nachdem wir das Interview von Weltwoche-Blogger, Kulturredaktor und Blick-Chefredaktor-Stellvertreter Walter de Gregorio mit adrian Knup gelesen haben (www.weltwoche.ch/fussball). Das Interview ist ziemlich lang und ausf├╝hrlich, was nicht grunds├Ątzlich kritisiert werden soll, und Adrian Knup ist ja durchaus eine interessante Figur mit einem interessanten Job-Profil (wahnsinnig ausgelastet scheint er nicht zu sein).

Langer Einstieg, kurzer Sinn: Ein Spieler wie Vogel fehlt, so die Kernaussage von Knup nach dem lamentablen Auftritt der Schweizer Mannschaft gegen die ├ťbertruppe aus ├ťbersee, diesen "aufs├Ąssigen und gut organisierten Gegner" (wir mussten dieses Zitat von K├Âbi Kuhn einfach nochmals bringen, weil sonst schnell vergessen geht, welch heroische Leistung bei diesem 0:1 nur hauchd├╝nn verpasst worden war.

Item. Zur├╝ck zu Knups Vogel-Theorie. Hier die wichtigsten Aussagen aus diesem Interview (wobei sich der Besuch des wdg-Blogs allemal lohnt): "Ja, ich habe an ihn [Vogel] gedacht. Wir m├╝ssen uns nichts vormachen: Genau so ein Spieler fehlt uns heute. Einer, der das Spiel im entscheidenden Moment verlangsamen kann, der den Ball verstecken kann, Ruhe ins Spiel bringt." "Die Akte Vogel ist definitv geschlossen?" "Ja, ich denke schon. Was passiert ist, geschah vor meiner Zeit, darum m├Âchte ich mich nicht weiter dazu ├Ąussern. Es bringt auch nichts, den Abwesenden nachzutrauern. Wir m├╝ssen einen Spieler mit den Qualit├Ąten Vogels finden, und wir werden ihn finden." [...] "Vogels Verdienste f├╝r die Nationalmannschaft sind gross, das ist unbestritten. Doch der Trainer hat entschieden, und das gilt es zu respektieren. Auch f├╝r mich."

Daraus liest man: Knup w├╝rde Vogel sofort wieder aufbieten, und vielleicht w├Ąre dieser ja sogar bissig nach seinen seinen Erfahrungen am Gericht. Wer weiss. Aber ehrlich, wann hatte Vogel sein letztes gutes L├Ąnderspiel? rinarsson.ch sch├Ątzte die Qualit├Ąten des Genfers durchaus und sah ihn auch nicht als reinen Alibi-Fussballer. Wir sch├Ątzen, dass beim PSV Eindhoven, bei der AC Milan, bei Betis Sevilla (die alle Vogel f├╝r gutes Geld unter Vertrag genommen hatten) sowie Manchester United (die das auch gerne gemacht h├Ątten, aber nicht durften) mehr Fussball-Sachverstand vorhanden ist, als bei der gemeinen Schweizer Journaille. Umso entt├Ąuschender werten wir deshalb auch die letzten Auftritte von Vogel im Nationalteam. Schon an der WM waren von ihm nur wenige Impulse zu sp├╝ren, seine Auftritte gegen aussen h├Ątten ihm glattweg eine Rolle griesgr├Ąmiger Opa in der Muppet Show einbringen k├Ânnen. Wir wissen nat├╝rlich, dass Vogels Naturell nicht der Griesgram ist, sondern dass er intern durchaus als launiger Spr├╝cheklopfer bekannt war, und der das Stadtz├╝rcher Nachtleben (und wohl nicht nur dieses) besser kennt als mancher Szeni. Doch sank seine Akzeptanz mit jedem schlechten L├Ąnderspiel, was wiederum Vogels Laune nicht sonderlich zutr├Ąglich war. Und da ist ja noch immer die Debatte, die sich im Mannschaftscar nach dem wenig ruhmreichen Auftritt im Penaltyschiessen gegen die Ukraine abgespielt hatte. Was dort wer genau wem gesagt hatte, ist noch immer das Geheimnis der Nationalspieler. Freundschaften wurden aber nicht geschlossen. Vielleicht packt jetzt ja Vogel aus, wenn er am 24. Oktober im El Lokal als Gast von wdg zugegen ist. Der Weltw├Âchler l├Ądt in der Z├╝rcher Beiz jeweils an Champions-League-Mittwochen zum Bargefl├╝ster mit zahlreichen prominenten Experten. Neben Vogel sind auch Ciriaco Sforza und Ren├ę Botteron eingeladen. rinarsson.ch kann leider nicht vor Ort sein, da man den FCZ nach Prag begleitet.

PS: Eine Aussage von Knup in diesem Interview ist uns aber noch ins Auge gestochen. "Aber zu behaupten, Kuhn veranstalte nur eine Art Showlaufen, finde ich ├╝bertrieben." Heisst das jetzt, es ist nicht ganz falsch oder was? Knup tut es zwar dann gleich noch ganz ab; vielleicht hatte er gemerkt, dass die Wahrheit hier ungem├╝tlich f├╝r Kuhn sein k├Ânnte. Wir werden diesen Eindruck jedenfalls nicht los. Die 40er Liste war die von Hansruedi Hasler, der ist ein angesehener Mann im Verband mit einigen Verdiensten, also wollte man ihn nicht desavouieren. Stellt sich einzig die Frage, welche von den 40 Spielern tats├Ąchlich eine faire Chance erhalten, und an welche Kuhn aus welchen Gr├╝nden auch immer (kaum Leistung) nicht glaubt. Zu letzteren geh├Ârt offenbar Mario Eggimann, den rund 5'999'999 von 6'000'000 im Schweizer Nationalteam sehen. Und wie lange k├Ąmpfte Stephan Lichsteiner um eine Chance, die er erst bekam, als Philipp Degen und Valon Behrami verletzt oder sonst ausfielen. Wir warten gespannt auf das Aufgebot f├╝r die Partie gegen Nigeria...

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