Drei Schweden in Zürich

Nachdem uns vorgeworfen worden ist, wir berichteten immer nur negativ über den FC Zürich, wollen wir an dieser Stelle einmal positiv über den Meister schreiben.

Wir waren heute Morgen im Training und beobachteten, dass die drei Schweden und der fitte Finne eine kleine Extraschicht schoben. Andres Vasquez und Veli Lampi beendeten das Training mit einem fröhlichen Jonglier-Pass-Duell, das der Schwede für sich entschied. Emra Tahirovic legte sogar alleine noch ein paar Extraminuten dazu und trainierte Ballbehandlung und Schiessen.

Danach hatten die Vasquez, Tahirovic und Dusan Djuric einen Fototermin mit EQ-Fotograf Valeriano. Doch die drei Schweden spürten den leeren Magen nach dem Training inkl. Sonderschicht. Essen? Kein Problem. Dann kam aber erst das Problem: Vasquez wollte für die Fotos natürlich seinen Kollegen in Sachen schöner Kleidung nicht hinten anstehen – schliesslich ist man ja Fussball-Profi. Deshalb ins Hotel, dort Mittagessen. Und Vasquez hat seinen eigenen Rhythmus: "Dessert und Kaffee". Einen kleinen Bananensplit mit der Versicherung, dass der Staff dies in Duabi ausdrücklich erlaubt hätte. Ein fauler Spruch von Djuric und Vasquez lacht. Überhaupt lacht viel und schwatzt fast noch mehr. Wenn er auf dem Feld nur halb so agil und flink und trickreich ist, dann wird kaum lange in der Schweiz spielen.

Bis dahin wirkte Djuric eher schüchtern und zurückhaltend. Er wolle weiterkommen in Zürich, es sei seine erste Station ausserhalb von Halmstad und deshalb war dies für ein grosser Schritt. Geld habe bei der Klubwahl überhaupt keine Rolle gespielt, sondern die chancen und Möglichkeiten, sich in Zürich weiter zu entwickeln. Als ich ihn dann doch auf die Geschichte vom Neujahrstag anspreche, grinst er etwas verlgen. Er korrigiert die Geschichte, die doch etwas gar heiss gekocht worden sei: Er sei überhaupt nicht mehr betrunken gewesen und vor allem nicht auf dem Radweg gefahren. Und wir betonen, was wir schon immer betont haben: In der Schweiz wäre Djuric nie und nimmer wegen Fahren in angetrunkenem Zustand zur Kasse gebeten worden.

Nach den ersten Bildern direkt vor dem Hotel und Restaurant fuhren wir quer durch die Stadt zum Restaurant Waid, von wo aus man eine herrliche Aussicht über die City hat. Und diese Aussicht diente als Hintergrund. Dazwischen klärte ich Tahirovic, der von seinem ehemaligen Teamkollegen Stephan Lichtsteiner (er ist von Lille an den FCZ ausgeliehen) schwärmte, auf, dass er – falls er für Bosnien spielen wolle – sich bis zum 21. Geburtstag entschieden haben müsse. Zwei grosse dunkelbraune Augen blickten mich an.

Die drei Schweden gaben sich jeweils grosse Mühe, mit ernster Mine in die Kamera zu blicken. Doch irgendwann fehlte Tahirovic die Energie, weil Energiebündel und Spasskanone Vasquez dauern irgendwelche Faxen machte. Noch grösser war das Gelächter der drei Jungstars, wenn sie auf dem Display der Kamera die eben geschossenen Bilder betrachteten. Da machte es auch nichts, dass sie einige Minuten zu spät wieder in der Allmend Brunau waren; zum Trainingsbeginn am Nachmittag reichte es allemal pünktlich. Und es sei festgehalten: Der FCZ hat mit diesem Trio wohl kaum Fehltransfers getätigt.

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